Zeitreise(n) durch Bad Iburg

Iburger Seilindustrie - von den Anfängen bis zur Gegenwart

1. Die ersten Seiler in Iburg

Der Fürstbischof Ernst August I. wurde 1662 zum Bischof von Osnabrück gewählt. Er bezog mit einer Frau Sophie von der Pfalz, den beiden kleinen Söhnen Georg Ludwig und Friedrich August sowie der Ziehtochter Liselotte von der Pfalz das Schloss Iburg. Dorthin soll er auch einen Seiler (Cabestréro) aus Spanien mitgebracht haben, der Hanfseile für Pferdeleinen und Zugstänge herstellte.

In dieser Zeit fand in Glane ein umfangreicher Hanfanbau statt; 1857 wurden in Iburg und Glane 31.333 kg Hanf geerntet.
Der Hanf wurde für die in Iburg bestehende Leinenweberei benötigt - hier wurde auch das Löwendleinen, ein grobes Hanfleinen, hergestellt. Die Leinenproduktion führte im Mai 1770 zur Gründung der Iburger Legge am Schloss.

Die Hanfseilerei bot eine neue Erwerbsquelle - es entstanden erste Seilerbahnen im Freien.

1832 wurde erstmalig die Berufsbezeichnung Seiler der Iburger Bürger Johann Christopher Hartlage erwähnt; fortan ließ der Handelsverkehr über Iburg die Fuhrleute ihren Bedarf an Seilen und Strängen auch in Iburg decken.

Die erste überdachte Seilerbahn entstand 1846 durch Franz Theodor Heinrich Körner mit einer Länge von 56 m und einer Breite von 3 m.

2. Die Erfindung des Drahtseiles

Der Clausthaler Oberbergrat Julius Albert stellte in zahlreichen Versuchen fest, dass die im Oberharzer Bergbau verwendeten Förderketten nach längerem Betrieb und großer Belastungen ermüdeten und schließlich rissen.

Mit Unterstützung des Pochsteigers und Bergschmiedes Heinrich August Mummenthy auf dem Hof der Clausthaler Münze fanden erste Versuche mit einem Seil aus geflochtenem Eisendraht statt.

Erstmals erfolgreich ausprobiert wurde es im Februar 1834 in der Clausthaler Erzgrube "Elisabeth" - unter Betriebsbedingungen brachte das Drahtseil ab dem 23. Juli 1834 in der Grube "Caroline" in Clausthal den überzeugenden Beweis seiner Überlegenheit: das neue Drahtseil, bestehend aus drei Litzen zu je vier Drähten, besaß sechsmal mehr Tragkraft als ein Hanfseil und viermal mehr Tragkraft als ein Kettenseil; die bislang gebräuchlichen Kettenseile waren achtmal schwerer als ein Drahtseil.

Die Drahtseile traten ihren Siegeszug an ...

3. Hanfseilerbetrieb Kassenbrock

1856 gründete Johann Christian Kassenbrock in der ehemaligen Klosterscheune auf dem Hagenberg den Hanfseilerbetrieb Kassenbrock.

Nach dem Tod von Johann Christian Kassenbrock am 22. August 1875 führte sein Sohn Georg Heinrich Kassenbrock den Hanfseilerbetrieb seines Vaters weiter - die Produktion von Drahtseilen begann. Die ersten größeren Förderseile von 58 mm Durchmesser und 800 m Länge wurden noch unter freiem Himmel hergestellt, für kleinere Seile standen im Haus Verseilmaschinen bereit.

1900 besaß das Werk zwei durch "elementare Kraft betriebene" Maschinen sowie einen Lehrling - im Jahre 1902 kamen vier Gesellen hinzu.

Hauptabnehmer der Drahtseile war die "C. Stahmer AG" in Georgsmarienhütte, die seinerzeit führend auf dem Gebiet des Schranken- und Signalbaus für die Eisenbahnen war.

4. Iburger Seilindustrie

Bald konnte das Drahtseilwerk von Heinrich Kassenbrock den Bedarf der "C. Stahmer AG" nicht mehr decken.

So gründete 1909 Heinrich Kassenbrock gemeinsam mit der kapitalkräftigen "C. Stahmer AG" unter Ernst Stahmer die Firma "Iburger Seilindustrie GmbH" (ISI).

Durch die gemeinsame Firma konnte der Bedarf an Seilen, die für die mechanischen Sicherungsanlagen der Eisenbahnen benötigt wurden, jederzeit erfüllt werden.

In der 2. Jahreshälfte 1910 zog die Firma nach Oesede in die Nachbarschaft des Oeseder Bahnhofs mit eigenem Gleisanschluss um.
Hergestellt wurden nunmehr aus Eisen- sowie Gußstahldraht Förderseile für Bergwerke, Kran-, Hebe- und Aufzugsseile, Schiffsseile, dünne Seilchen (z.B. für Eisenbahnsignale) und Seile in besonderer Ausführung für bestimmte Verwendungszwecke - dies wurde auch durch die Fabrik-Marken für Schifffahrt und Bergbau deutlich nach außen kommuniziert.

1916 wurde das Kapital auf 1 Millionen Mark erhöht; die Folgejahre zeichneten sich durch Firmenverschmelzungen aus: 1918 fand der Übergang in die "Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten AG" statt, zwei Jahre später übernahm die "Rhein-Elbe-Union GmbH" die Unternehmung.

Durchschnittlich 50% der Drahtseile gingen in das Ausland. So wurden 1924 Drahtseile für die 36 km lange "Amiantos-Seilbahn" auf Zypern geliefert. Mit Hilfe dieser Drahtseilbahn wurde der Asbest aus der Grube des Werkes "Cyprus Asbestos Minas" vom Troodosgebirge nach Limassol transportiert. Der Durchmesser der Drahtseile betrug 25 mm.

Abb. 1: Von der Schweren Seilschlagmaschine läuft das Drahtseil aus der Maschine auf die zum Versand bestimmte Seiltrommel bzw. Haspel
Abb. 1: Von der Schweren Seilschlagmaschine läuft das Drahtseil aus der Maschine auf die zum Versand bestimmte Seiltrommel bzw. Haspel.
Aus: Siemens-Rheinelbe-Schuckert-Union 1924, S. I/6.

1926 ging das Drahtseilwerk als Verfeinerungsbetrieb "Westfälische Union, Seilindustrie Iburg" in die "Vereinigte Stahlwerke AG" über - 250 Tonnen Drahtseile wurden pro Monat produziert; die Produktion konnte 1929/30 auf 2. 742 Tonnen gesteigert werden.

Nach dem Übergang in die "Westfälische Union AG für Eisen - und Drahtindustrie" im Jahre 1934 konnte die Produktion in den Jahren 1942/43 auf 5.183 Tonnen Drahtseile im Monat nochmals deutlich gesteigert werden.

Ende 1973 wurde das Werk der "Iburger Seilindustrie" geschlossen - Gründe waren die drastisch gesunkenen Erlöse im Export als Folge der Dollar-Ab- und Mark-Aufwertungen.

5. Drahtseilwerk Tepe

1854 gründete der Fuhrmann Johann Heinrich Tepe, auch "Franz" genannt, auf dem mittleren Hagenberg ein Kalkwerk.

Der zweitälteste Sohn Franz Ferdinand Joseph Tepe, "Wilhelm" genannt, gründete 1879 in unmittelbarer Nachbarschaft eine Hanf- und Drahtseilerei. Es sollten Stahldrahtseile für die umliegenden Zechen (Piesberg nördlich von Osnabrück, Otto-Schacht in Kloster-Oesede) geliefert werden. Die Ausführung erfolgte in Handarbeit auf einer Seilerbahn.

Bereits ab ca. 1865 drehte Wilhelm Tepe auf seiner an der Osnabrücker Straße gelegenen Seilerbahn Drahtseile. Die Litzen schlug er nach Art der Hanfseile zusammen, wofür er die vorhandenen Geräte der Hanfseilerei benutzen konnte.

1887 trat sein Sohn Heinrich Hermann Bernhard Tepe in das Unternehmen ein.

Zehn Jahre später, im Jahre 1889, erfand Wilhelm Tepe ein Drahtgerüstbindestrick, welches er patentamtlich schützen ließ.

Patent der Fa. Heinrich Tepe & Söhne für einen Gerüstbinder im Jahre 1936   Patent der Fa. Heinrich Tepe & Söhne für einen Gerüstbinder im Jahre 1936
Abb. 2: Patent der Fa. Heinrich Tepe & Söhne für einen Gerüstbinder im Jahre 1936

1901 baute er den Drahtseilbetrieb weiter aus, konnte jedoch die Früchte seines Ausbaus nicht erleben: Wilhelm Tepe verstarb am 2. November 1901.

Inhaberin wurde nunmehr seine einstige Gattin, Maria Anna, geb. Dünnewald; Heinrich Tepe wurde zum Geschäftsführer ernannt.

Die Firmengrundstücke, bislang vom Flecken Iburg gepachtet, wurden 1903 angekauft - ein Jahr später wurden größere Gebäude für die Drahtseilerei erbaut und die ersten Korbverseilmaschinen zur Verseilung von Einzeldrähten zu Drahtseilen angeschafft. Ebenfalls wurde eine Schlosserei und eine Abteilung für Baugeräte angegliedert.

1912 trat Heinrich Tepe als Teilhaber in das Unternehmen ein - die neue Firmenbezeichnung lautete "Wilhelm Tepe GmbH". Nach dem Tod seiner Mutter am 18. Januar 1916 wurde Heinrich alleiniger Inhaber.

Gewerbliche Anzeige der "Wilhelm Tepe GmbH"
Abb. 3: Gewerbliche Anzeige der "Wilhelm Tepe GmbH".
Aus: "Iburger Fremdenblatt", 1933.

Der nächste Wechsel in der Geschäftsführung erfolgte 1937: die beiden Söhne Heinrich und Franz Johannes traten als Gesellschafter in die umbenannte "Drahtseilwerk Heinrich Tepe & Söhne OHG" ein.
In den Folgejahren ab 1939 wurden einige Stangen-Schnellverseilmaschinen gekauft.

Am 11. Juni 1954 verstarb der Senior Heinrich Tepe: "Er verstarb nach einem arbeitsreichen Leben, dessen Inhalt der Aufbau und die Sorge um das Gedeihen und die Entwicklung unseres Unternehmens war", wie in der Todesanzeige der Betriebsleitung und Belegschaft zu lesen war.

Im Dezember 1968 schloss das benachbarte Kalkwerk, da die Abbaumöglichkeiten erschöpft waren.

Kurz zuvor trat mit Karl Heinz Tepe die vierte Generation in die Geschäftsführung ein - diese übernahm er von seinem Vater Heinrich Tepe. Ein Jahr später wurde die Fabrikationsfläche um eine Halle erweitert - über 30 Spul- und Verseilmaschinen wurden angeschafft.

1979 übernahm Franz Tepe und damit auch die weitere 4. Generation die Geschäftsführung von seinem Vater Franz Johannes Tepe.

Am 1. Januar 1989 wurde die Firma in die "Drahtseilwerk Heinrich Tepe & Söhne GmbH & Co. KG" umgewandelt.
Zwei Jahre später wurde die Fabrikationsfläche um eine weitere Halle erweitert - mehrere moderne Doppelschlagverseilmaschinen wurden in Betrieb genommen.

Ein Jahr später verstarb Franz Johannes Tepe: "Arbeit und Erfolg prägten sein Leben."

Mit Joachim Tepe übernahm 2001 die 5. Generation vom Vater Karl Heinz die Geschäftsführung - der Vater stand jedoch weiterhin dem Unternehmen beratend zur Seite.

Im Folgejahr wurden 30 Mitarbeiter beschäftigt - die Jahresproduktion stieg auf ca. 1.200 Tonnen.

Ende des Jahres 2003 ging Franz Tepe in den Ruhestand - drei Jahre später wurde Ulli Ransiek geschäftsführender Gesellschafter, nachdem er bereits seit 2004 Leiter der Bereiche "Buchhaltung, Finanzen, Controlling und Verwaltung" war.

Am 22. August 2014 verstarb Karl Heinz Tepe.

Im Jahre 2018 beschäftigte das Unternehmen zwischen 30 und 40 Mitarbeiter.

6. Drahtseilwerk Vornbäumen

1850 fing Johannes Adolphus Vornbäumen, Sohn eines Schuhmachers, am östlichen Hagenberg an eine Kalksteingrube mit einem Kalkofen zu betreiben; nebenbei betrieb er einen Viehhandel. In späteren Jahren betrieb er mit seinen Söhnen Johann Caspar (genannt "Johannes") und Franz Hermann Wilhelm eine Schlachterei.

1889 gründeten die Brüder Johannes und Wilhelm eine Seilerei - zunächst wurden nur Hanfstricke auf einer Langbahn auf dem Grundstück Bollmann am Mühlenort im Handbetrieb produziert. Im selben Jahr zog die Firma an die Voßegge unterhalb der "Villa Siering" um - die ersten Grundstücke am heutigen Standort wurden erworben. Der Umzug an den heutigen Standort erfolgte 1890 - dort wurde ein Maschinenhaus mit Schornstein errichtet.

Im gleichen Jahr wurde die Firma der Kaufleute Johannes und Wilhelm Vornbäumen als offene Handelsgesellschaft in das Handelsregister beim Königlichen Amtsgericht in Iburg eingetragen.

Um 1894 wurde eine fabrikneue Dampfmaschine mit Achsenregler und Kolbenschiebesteuerung von der Firma Carl Weymann in Osnabrück erworben. Das Wasser für die Dampfmaschine wurde dem Walkenteich entnommen.

Die von Wilhelm Tepe patentierten Drahtgerüstbindestricke wurde ab 1894 alleinig von Vornbäumen vertrieben - produziert wurden die Drahtgerüstbindestricke nach wie vor von Tepe.

Ab 1904, nach 10 Jahren Vertrieb, wurden die von Wilhelm Tepe patentierten Drahtgerüstbindestricke selber produziert - dazu wurden einige Arbeiter vom Drahtseilwerk Tepe übernommen.

1906 wurde eine eigene Drahtzieherei und Verzinkerei angelegt. Dies schlug sich auch 1914 im Zweck der Gesellschaft nieder, nämlich "... die Herstellung von Drahtseilen, Drahtzieherei und Verzinkerei sowie die Beteiligung an ähnlichen Unternehmen."

Als am 12. Oktober 1921 Johannes Vornbäumen starb, trat sein Sohn August in die Geschäftsführung ein.

Gewerbliche Anzeige vom "Drahtseilwerk J. & W. Vornbäumen GmbH"
Abb. 4: Gewerbliche Anzeige vom "Drahtseilwerk J. & W. Vornbäumen GmbH"
aus: Deutschlands Städtebau: Osnabrück. Berlin 1925.

Am 20. August 1925 verstarb Wilhelm Vornbäumen - dessen Sohn Hans trat nach Volljährigkeit 1929 in die Geschäftsführung ein.

Ebenfalls in zweiter Generation trat ein Jahr später der Bruder von August Vornbäumen, Adolf Vornbäumen, in die Geschäftsführung ein. Damit verbunden war eine Umfirmierung in "Drahtwerk Vornbäumen & Co. KG".

Der 2. Weltkrieg brachte mannigfache Veränderungen mit sich:
1939 wurde Hans Vornbäumen zur Wehrmacht eingezogen; 1942 wurde auf dem Gelände in der alten Seilerbahn ein Lager für russische Kriegsgefangene eingerichtet. Ein weiteres Lager, zum Stammlager "VI C Bathorn" gehörig, befand sich am Bahnhof Iburg.

Nur ein Jahr später schied Hans Vornbäumen als persönlich haftender Gesellschafter aus - die Mutter Franziska Vornbäumen ließ sich durch den Geschäftsführer Bernhard Placke vertreten. Die Familie Placke zog 1946 in ein Haus auf dem Firmengelände ein, später zog die Familie an die Rennbahn um.

Unmittelbar nach Kriegsende ließ Hans Vornbäumen - auch in Heimarbeit - unter der Firmenbezeichnung "Draht- und Metallwarenfabrik Hans Vornbäumen & Co. GmbH" Kleinwaren (z.B. Lampen, elektrische Kocher, Feueranzünder, Quirle, etc.) bauen.

1946 wurde Günter Vornbäumen, Sohn von August Vornbäumen, zum Geschäftsführer ernannt.

Die enge Verbundenheit der Mitarbeiter zur Firma wurde immer sehr groß geschrieben: 1951 fand ein großer Betriebsausflug zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Syberg in Dortmund statt.

1952 trat Hans Waldvogel, ein Sohn der verheirateten Schwester von Hans Vornbäumen, in das Unternehmen ein. Ein Jahr später schied der bisherige Geschäftsführer Bernhard Placke aus dem Unternehmen aus.

Von 1950 bis 1960 stieg die Beschäftigtenzahl von 100 Personen auf 160 Personen an.

Nachdem August Vornbäumen am 10. August 1962 verstarb, wurde 1964 der "Gografenhof", das einstige Wohnhaus von Johannes und August Vornbäumen, an die Stadt Iburg verkauft.

Am 2. November 1965 verstarb Adolf Vornbäumen, fünf Jahre später, am 19. Juli 1970, folgte ihm Hans Vornbäumen.

Zum 1. Juli 1973 trat mit Ernst-Wilhelm Vornbäumen eine jüngere Generation in die Geschäftsführung ein.

Am 19. Mai 1989 liefen auf dem Gelände des Drahtseilwerkes ca. 20.000 Liter Salzsäure aus und gerieten teilweise in die Kanalisation. Gegen 11:00 Uhr war an einem der Fässer eine Stirnwand geplatzt, so dass die Chemikalie ungehindert auslaufen konnte. Dies führte zu einem Einsatz mit ca. 60 Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehren aus Bad Iburg, Glane und Hilter a.T.W., die die Salzsäure abpumpten und ein weiteres Eindringen in die Kanalisation verhinderten.

Im August 2002 trat Carsten Stefanowski als geschäftsführender Gesellschafter in das Unternehmen ein.

7. Drahtseilwerk Hölscher

Johann Friedrich Hölscher, bislang als Schreiber und Reisender beim Drahtseilwerk Vornbäumen beschäftigt, gründete am 10. Juli 1912 in Ostenfelde das "Drahtseilwerk Johann F. Hölscher".

Mit den Facharbeitern Heinrich Nagel und August König begann Johann Hölscher unter freiem Himmel auf der heutigen Straße "Auf der Reckte" mit dem Zusammendrehen von Eisendrahtseilen für Gerüststricke - kam ein Pferdefuhrwerk vorbei wurden kurzerhand die Holzböcke an die Seite gestellt.
Weitere Produkte waren zu Beginn Drahtwäscheleinen, Luftschichtanker und Maschendraht. Die ersten Lager- und Büroräume befanden sich am Donnerbrinksweg 10 und 12.

Nur ein Jahr später wurde südlich der Lienener Straße in Ostenfelde ein neues Gelände erworben und mit Sand vom Hakentempel aufgefüllt; damit entstand zur nahen Straße eine gleiche Höhe.
Die Produktionsgebäude wurden aus sog. "Hüttenschlackensteinen" mit Sheddach erbaut - die Fundamente des Bürogebäudes entstand aus Sandsteinen aus dem Steinbruch Herrenrest, das Gebäude selbst entstand aus gebrannten Ziegeln.

Anfang 1914 wurde die Fabrikation von Drahtseilen aller Art beworben, doch dann ließ der 1. Weltkrieg die Produktion weitestgehend ruhen - erst nach Ende des 1. Weltkrieges lief die Produktion weiter.

Ein neuer stehender Dampfkessel lieferte ab 1922 den Strom; 1926 kaufte Hölscher den gesamten Maschinenpark einer Berliner Drahtseilfabrik. 1930 wurde das Drahtseilwerk an die Wasserversorgung des Fleckens Iburg angeschlossen.

Die Entwicklung des Werkes schritt voran: 1937 wurde ein Kesselhaus mit Schornstein erbaut, zwischen 1939 und 1941 folgten der Bau eines Kontors, Gefolgschaftsräume und ein im Keller befindlicher Luftschutzraum.
Auch in den Folgejahren wurde investiert: 1942 wurde ein Unterkunftsraum für sowjetische Arbeitskräfte hergerichtet und auf dem Werksgelände ein Wasserbehälter erbaut, 1943 wurde das Kesselhaus neu gebaut, ein Jahr später wurde die noch immer betriebene Hanfseilerei umgebaut und mit einer Imprägnieranlage versehen.

In den Nachkriegsjahren wurden zudem Hausgeräte aus Kriegsmaterial hergestellt sowie Schlosser- und Klempnerarbeiten durchgeführt.

1947 wurden bereits wieder 91 Personen in verschiedensten Bereichen beschäftigt - die Werbung versprach Drahtseile für alle Zwecke.

Abb. 5: Luftbild vom Drahtseilwerk "Johann F. Hölscher" mit umgebender Bebauung in Ostenfelde im Jahre 1957
Abb. 5: Luftbild vom Drahtseilwerk "Johann F. Hölscher" mit umgebender Bebauung in Ostenfelde im Jahre 1957.
Privatarchiv Karin Stöckmann.

Am 16. November 1964 verstarb der Fabrikant Johann F. Hölscher nach kurzer, schwerer Krankheit und sein Sohn Alfred Hölscher übernahm den Betrieb.
Ursprünglich war der Sohn Werner für die Fortführung des Betriebes vorgesehen, doch verstarb dieser als Soldat während des 2. Weltkrieges.

Nach 20jähriger Weiterführung des Drahtseilwerkes durch Alfred Hölscher wurde 1984 die Produktion eingestellt und ein Jahr später das Firmengelände verkauft.

8. Fazit

Ein wesentlicher Faktor für den Aufschwung der Iburger Drahtseilindustrie hing unmittelbar mit der Eröffnung der Bahnstrecke der Teutoburger-Wald-Eisenbahn im Jahre 1901 zusammen. Die Eisenbahn war damals das geeigneteste Transportmittel für die großen Mengen schwerer Drahtseile.

9. Dank

Herzlichen Dank für die Unterstützung und zahlreichen Informationen an den Arbeitskreis "Drahtseilerei Iburg":
Beate Bertrams, Christoph Fischer, Georg Herzog, Karin Stöckmann, Franz Tepe, Wilhelm Vornbäumen, Agnes Wiemann, Herbert Wiemann und Rudolf Wolf.

Grundlage des Beitrags "Iburger Seilindustrie - von den Anfängen bis zur Gegenwart" war der gleichnamige Vortrag, den ich am 26. Juni 2019 für den Heimatverein Glane e.V. und den Verein für Orts- und Heimatkunde Bad Iburg e.V. gehalten habe. Der Vortrag kann im pdf-Format (15,85 MB) unter folgendem Link abgerufen werden:

http://www.geo-iburg.de/Seilindustrie.pdf

Literaturverzeichnis

Archive der Arbeitskreis-Mitglieder sowie Horst Grebing, Halle/Westf.
Heimat- und Kulturverein Glandorf e.V., Arbeitskreis Archiv (Hrsg.): Vom Hanf zum Seil. Geschichte des Seilergewerbes in Glandorf und im südlichen Osnabrücker Land. Glandorf 2020.
Hülsemann, Robert: Luftkurort Iburg. Iburg 1949, S. 46 f.
Köhne, Heinz: Bad Iburg. Bilder zur Geschichte und Geschichten. Bad Iburg 2005, S. 40 ff.
Lönnig, Gisa: Die Entwicklung des Seilergewerbes im südlichen Landkreis Osnabrück. Examensarbeit zur 1. Staatsprüfung. Osnabrück 1984, S. 88 ff.
Sachisthal, Kraft: 100 Jahre Westfälische Union. Aktiengesellschaft für Eisen- und Drahtindustrie Hamm (Westfalen). Darmstadt 1953.
Siemens-Rheinelbe-Schuckert-Union (Hrsg.): Das Werk. Monatsblätter der Montangruppe der Siemens-Rheinelbe-Schuckert-Union. IV. Jahrgang, Düsseldorf, April 1924, Heft 1, S. I/2 ff.
Suerbaum, Otto: Die Stahmerschen Unternehmungen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis auf den heutigen Tag. Georgsmarienhütte 1974.

 

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