Abbau von Bodenschätzen Erdöl / Erdgas Kalk Mineralbad Raseneisenstein Sand / kiesiger Sand
  Sandstein Steinkohle Ton Toneisenstein Torf

 

Feld "Hilterberg"

Carl-Stollen (Karlsstollen) Alter (1.) Tiefbauschacht Otto'sche Drahtseilbahn Neuer (2.) Tiefbauschacht
("Zeche Hilterberg")
Notbergbau

Ca. 5,0 km nordöstlich von Iburg und ca. 900,0 m nördlich des Hohnsberges, in unmittelbarer Nähe des Städtedreiecks Georgsmarienhütte, Hilter a.T.W. und Bad Iburg, wurden am 25.02.1858 die Bergrechte "im Dütetal" für das Feld "östliches Vereinsfeld" (6.354.750 m2) angekauft, welches am 16.07.1868 in "Hilterberg" umbenannt wurde.
Die - noch nicht förmlich erteilte - Erlaubnis zur Gewinnung von Steinkohle wurde bereits Mitte August 1856 erteilt.

Im "Geschichtlichen Ortsverzeichnis des ehemaligen Fürstentums Osnabrück" ist festgehalten, dass "Hilterberg" eine Zeche in der Landgemeinde Hankenberge (heutiger Ortsteil von Hilter a.T.W.) ist. Nur als Zechenbezeichnung und nicht als Bergzug taucht der Name auch in der Topographischen Karte von 1897 auf. Damit ist "Hilterberg" lediglich die Bezeichnung für ein Bergwerksfeld und die dazugehörige Zeche.

Bereits im Jahre 1859 waren bei Schürfarbeiten am Limberg vier Kohlenflöze nachgewiesen worden. Wegen unzulänglicher Transportmöglichkeiten verzichtete man aber vorerst auf einen Abbau.

Im den Jahren 1862/63 kosteten die Kohlen pro Zentner:

Herkunft: Preis (pro Zentner):
(vereinseigener) Glückauf-Schacht 5 Groschen, 8,8 Pfennig
(fiskalischer) Oeseder "Tiefbau-Schacht" 6 Groschen, 1,5 Pennig
Ibbenbüren 7 Groschen, 7,5 Pfennig
Westfalen 7 Groschen, 6 Pfennig

Spätere Schwierigkeiten auf dem Kohlemarkt, bedingt durch noch nicht fertiggestellte Bahnanschlüsse und den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, machten den Kohlenabbau im Feld "Hilterberg" wieder interessant.
Die Bahnstrecke Münster - Osnabrück der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft wurde erst am 01. September 1871 eröffnet.
Zudem musste im Jahre 1868 der betriebseigene Schacht "Glückauf" (Kloster Oesede, Betriebsaufnahme: 1857), nachdem die Wasserzuflüsse im Herbst und Winter 1866/67 so stark waren, dass die vorhandenen Wasserhaltungsmaschinen nicht mehr ausreichten, stillgelegt werden. Die nunmehr benötigte (teure) westfälische Steinkohle musste per Eisenbahn bis nach Osnabrück und von dort anfänglich mit hundert Gespannen und 200 Pferden täglich zum Hochofenwerk transportiert werden. Selbst als im Betriebsjahr 1868/69 eine größere Anzahl von Doppelwagen zum Anschaffungspreis von 43.000 Thalern beschafft wurden, reichten die über diesen Weg angeschafften Kohlen nur für den Betrieb von drei bis vier Hochöfen aus. Und der Vorsitzende des Aufsichtsrates des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein, Advokat Dr. jur. Hermann Müller aus Hannover, bemerkte: "In eine sehr viel glücklichere Lage würde der Verein gekommen sein, wenn das Project der Bergisch-Märkischen Bahnverwaltung, Hamm mit Osnabrück durch eine directe über Iburg und Oesede zu führende Bahn zu verbinden, ausgeführt worden wäre."

Im Feld "Hilterberg" wurden zwei abbauwürdige und zwei zu schmale Flöze der Wealden-Steinkohle gefunden. Der Vorrat betrug bei einer Verbreitungsfläche von rund 3 km2 ca. 0,7 Millionen Tonnen.

  Georgs-Marien-Hütte,
den 16. Juli 1868

An
den Königlichen Revier-Beamten
Herrn Bergrath Brassert
Osnabrück

Auf Ihre Verfügung vom obenstehenden
Datum erklären wir hiermit, daß das uns un-
ter dem 25. Februar 1858 am Hilterberg verlie-
hene Kohlenfeld von nun an den Namen
"Hilterberg"
führen soll.
Die Feldesgrenzen sind in anliegender
Verleihungs-Urkunde beschrieben und aus
dem beiliegenden Situations-Riß zu ersehen.

Hochachtungsvoll
Die Direktion
des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Vereins
J.C. Meyer

Umbenennung der Feldesbezeichnung "östliches Vereinsfeld" in "Hilterberg" vom 16.07.1868

Bei der Steinkohle handelt es sich um eine Flammkohle, die sehr backend und daher gut für die Verkokung brauchbar ist.
Der Abbau erfolgte im Firsten-, Pfeiler- und Strebbau.
Der Firstenbau ist eine Abbaumethode bei steil stehenden Steinkohlenflözen, bei dem der Abbau stufenförmig von unten nach oben erfolgt.
Beim Pfeilerbau wird die Lagerstätte in Bauabschnitte eingeteilt (die Pfeiler); zumeist ergibt der Zuschnitt der Pfeiler langgestreckte Rechtecke.
Der Strebbau ist durch eine lange Abbaufront gekennzeichnet, die durch winklig dazu verlaufende Abbaustrecken begrenzt wird.

Lageplan des Karlsstollens und der Tiefbauschächte
(Kartengrundlage: Meßtischblatt Nr. 3814, Iburg, 1955)

Von der Sohle des Karlsstollens aus erstreckten sich die Grubenbaue in mehreren Etagen übereinander. Sie folgtem dem Streichen der Schichten nach Osten und Westen. Dabei trafen sie vielfach Querverwerfungen, Verquetschungen der Kohle und Schichtenbiegungen an. Sie endigten nach 1.200 m im Osten in Nähe des Alten (1.) Tiefbauschachtes an einer Verwerfung, wo die Flöze abgeschnitten sind und nicht wieder aufgefunden werden konnten. Hier waren die Flöze nur auf kurze Entfernung in regelmäßiger Anordnung angetroffen worden. Eine erhebliche Kohlegewinnung fand deshalb nicht statt. Nach Westen reichten die Stollen bis 2.700 m weit unter den Limberg. Das Flöz IV war hier nur auf einer Länge von 450 m abbauwürdig.

Übersichtskarte der Steinkohlenzeche Hilterberg mit eingezeichneter Stollensohle und Drahtseilbahn (rot markiert),
Zeichnung angefertigt vom Markscheider Ludwig Plock im Oktober 1895

Die Mächtigkeiten der abbauwürdigen Flöze III und IV sowie der "Berge" waren, wie auf der nachfolgenden exemplarischen Abbildung ersichtlich, sehr unterschiedlich:

Die Mächtigkeiten des Flözes 3 im Bereich der III. Tiefbausohle betragen auf einer Entfernung von ca. 140 m (von links nach rechts):
67 cm Kohle, 100 m Zwischenmittel ("Berge"), 42 cm Kohle / 76 cm Kohle, 68 cm Zwischenmittel, 50 cm Kohle / 80 cm Kohle, 80 cm Zwischenmittel, 55 cm Kohle,
80 cm Kohle, 80 cm Zwischenmittel, 50 cm Kohle
Auszug aus "Specialgrundriss vom Bau im Fl. No. 3 der Zeche Hilterberg", angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock (Mai 1894 - September 1902),
Archiv: Hans Röhrs

In der Außenstelle des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie in Meppen existieren die halbjährlich aufgestellten Wetteranalysen und die Betriebspläne mit folgenden Eintragungen:
A. Aus- und Vorrichtungsarbeiten
B. Abbau
C. Wasserhaltung
D. Wetterführung
E. Förderung
F. Grubenausbau

Die ebenfalls dort vorhandenen Bergkarten liegen in Form von Profilen, Spezialgrundrissen, Längenprofilen und weiteren Spezialkarten vor.
In den Bergkarten, die regelmäßig vom Markscheider Plock ergänzt wurden, sind folgende Sohlen eingetragen:

Bezeichnung der Sohle: farbige Darstellung
Flöz III:
farbige Darstellung
Flöz IV:
Stollensohle /
Stollengrundstrecke
rot rot
15-m-Sohle blau blau
30-m-Sohle blau blau
Grundstrecke 40-m-Sohle blau /
orange
blau
II. Tiefbausohle orange /
grün
orange
Mittelsohle orange /
grün
orange
III. Tiefbausohle grün /
orange
grün

Weitere Karten befinden sich im Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Clausthal-Zellerfeld sowie beim (letzten) Berechtsams-Inhaber Klöckner-Werke AG (heute: Klöckner & Co. SE).

Im Grubengebäude westlich des Karlsstollens (westlicher Abbaubereich) wurden die Flöze in den Jahren 1892 - 1902 abgebaut, im mittleren Abbaubereich zwischen Karlsstollen und Alter (1.) Tiefbauschacht erfolgte der Abbau zwischen 1882 und 1903, wobei der Abbau auf Flöz IV vom Neuen (2.) Tiefbauschacht bis in ca. 300 m östliche Richtung hauptsächlich zwischen 1896 und 1903 erfolgte.
Im östlichen Abbaubereich (östlich des Alten (1.) Tiefbauschachtes) bestand nur noch - aufgrund der Lagerungsverhältnisse - ein geringer Bergbau: 1886 erfolgte ein Abbau auf Flöz III, 1888 auf Flöz IV.
Der Hauptabbau auf Flöz III erfolgte in den Jahren 1892 bis 1894 hauptsächlich auf der Grundstrecke 40-m-Sohle, erst in späteren Jahren wurde auf den tieferliegenden Sohlen abgebaut.

 
"Specialgrundriss vom Bau im Fl. No. 3 der Zeche Hilterberg",
angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock (Mai 1894 - September 1902),
Archiv: Hans Röhrs
  "Längenprofil vom Bau auf dem Steinkohlenflötze No. III der Zeche Hilterberg",
angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock (August 1875 - Februar 1899),
eingetragen ist der "Flache Schacht" (im mittleren Teil des Längenprofils),
Archiv: Hans Röhrs
 
 
Auszug aus "Specialgrundriss vom Bau im Flötz No. IV der Zeche Hilterberg",
angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock (Mai 1891 - August 1900),
Archiv: Hans Röhrs
  "Längenprofil vom Bau auf dem Steinkohlenflötze No. IV der Zeche Hilterberg",
angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock (Mai 1891 - März 1903),
Archiv: Hans Röhrs

Die markscheiderischen Arbeiten der Jahre 1875 - 1921 wurden vom konzessionierten Markscheider Ludwig Plock (gest.: 19.07.1929) des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins ausgeführt.
Ludwig Karl Plock, Inhaber der Kriegsdenkmünze für die Feldzüge 1870/71, wohnte Georgsmarienhütte Nr. 93 (heute: Karlstraße 14). Von 1875 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1921 war Ludwig Plock ununterbrochen beim Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein bzw. der Nachfolgefirma Klöckner-Werke AG beschäftigt. Im Nachruf anlässlich seines Todes mit 81 Jahren schreiben die Klöckner-Werke AG, Abt. Georgs-Marien-Werke in der "Osnabrücker Zeitung" in der Ausgabe vom 21.07.1929: " [Markscheider i.R. Herr Ludwig Plock] hat sich während der vielen Jahre mit voller Hingabe seinem Beruf gewidmet und dadurch unser aller Achtung und Anerkennung in hohem Maße erworben. Mit ihm ist ein Mann von uns gegangen, dessen wertvolle Charaktereigenschaften ihn uns unvergeßlich machen."

Auszug der markscheiderischen Einträge von Markscheider Plock aus dem
"Specialgrundriss vom Bau im Fl. No. 3 der Zeche Hilterberg",
Archiv: Hans Röhrs

Einige Bergarbeiter hatten sich in der Zeche Hilterberg zu einem Bergmusikkorps zusammengeschlossen.
Weitere Musikkorps bestanden bei der "Zeche Perm" in Ibbenbüren und am Hüggel.

Jahr: Förderung
(in Tonnen):
Verkaufspreis/t
(in Mark):
Selbstkosten
(in Mark):
Beschäftigte: Kohlendebit1
(in Tonnen):
Ausgaben
(in Mark):
Einnahmen
(in Mark):
Überschuss
(in Mark):
Zubuße2
(in Mark):
Bemerkungen:
1874/75

5.934,0

9,40

7,600

48

5.703,0

47.511,04

53.605,57

    November 1874:
Abbaubeginn Karlsstollen
1875/76         10.024,0 86.173,07 94.224,07      

1878/79

                  bis 01.07.1879:
Gewinn von 43.500 Mark
1883/84               11.796,99    
1884/85                 6.685,40  
1885/86     13,36     a) 153.838,92

b) 92.540,10
    21.860,23 a) Bau 1. Tiefbauschacht
b) Bau Drahtseilbahn
1886/87                 3.782,03  
1887/88                 6.364,19  
1888/89               661,62    
1889/90               8.006,68    
1890/91               28.400,34    
1891           23.540,10       Erwerb eines Gleisanschlusses der Grubenbahn
Otto-Schacht - Georgsmarienhütte
(23.04.1891)
1891/92 22.891,0             53.991,90    
1892/93           a) 23.702,09
b) 11.436,77
  13.238,54   a) Abteufung 2. Tiefbauschacht
b) Abteufung 2. Tiefbauschacht
1893/94 11.950,0               23.702,01  
1894/95 22.936,0     194         11.436,77  
1895/96 29.632,9 10,45 8,000 213 25.743,7 237.161,59 288.709,79 56.404,24   In den Jahren 1885 bis 1895 wurden für die Aus-
rüstung des 1. Tiefbauschachtes, durch Anlage
einer Drahtseilbahn und durch Herrichtung und
Ausrüstung des 2. Tiefbauschachtes 274.503,86
Mark verausgabt.
1896/97 33.484,8 10,45 7,337 205 29.571,0 245.362,20 322.479,00 90.420,12   Ausgaben für die Anschaffung eines neuen
Kessels i.H.v. 12.160,91 Mark
1897/98 30.158,8 10,45 8,384 215 25.400,1 252.846,96 286.695,35 40.668,53    
1898/99 32.953,7 10,45 8,311 216 27.745,8 273.908,99 313.836,99 42.425,84    
1899/1900 31.788,0 10,45 8,860 214 26.327,0 281.586,04 300.674,44 23.880,40    
1900/01 32.019,0 10,45 8,970 217 25.809,0 287.135,66 298.752,80 16.417,14   Im Juni 1900 waren 218 Arbeiter auf Hilterberg
beschäftigt
1901/02 28.876,0 10,45 8,900 209 22.178,0 256.976,63 267.755,51 15.578,88    
1902/03 rd. 15.000,0             12.288,81   Einstellung der Kohlenförderung:
31.03.1903

1903

5.033,0

   

34

           

1903/04

             

- 8.862,56

   

1904/05

             

- 419,35

   

Steinkohlenförderung der Zeche Hilterberg

1 Kohlendebit = Verkauf von Steinkohlen
2 Zubuße = Beitrag des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins zu den Grubenkosten, solange die Grube keinen Ertrag erwirtschaftete
Das Geschäftsjahr begann am 01.07. und endete am 30.06.

Die Förderwagen hatten ein kleines Fassungsvermögen, bestanden aus Holz und wurden überwiegend von Pferden gezogen.

Die Bewetterung erfolgte über das Mundloch des Karlsstollens - die Wetter strömten durch mehrere Lichtlöcher wieder aus.

In den Jahren 1885 bis 1895 sind für die Steinkohlenzeche Hilterberg vom Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein für neue Erwerbungen und Anlagen, sowie für Erneuerungen und Verbesserungen der vorhandenen Anlagen insgesamt 274.503,86 Mark verausgabt worden.

Ca. 590 m östlich vom Stollenschacht "Neuer (1.) Tiefbauschacht" wurde der "Flache Schacht" abgeteuft.

3 km westlich der Zeche Hilterberg wurde ein 17,85 m tiefer Schurfschacht und Versuchsabbau am Südhang des Limberges (R 34 36 980, H 57 81 960, NN + 195,0 m) niedergebracht, der aber nicht in Dauerförderung kam. Die angetroffenen Flöze im Querschlag hatten nur eine Mächtigkeit von 6 cm (im Norden) bzw. 20 cm bis 25 cm (im Süden).
Ein Querschlag ist die Strecke, die quer zu den Gebirgsschichten aufgefahren wird.

Profil durch den Schurfschacht,
angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock, Januar 1890 (Maßstab: 1 : 200),
Archiv: Hans Röhrs

Aber der Betrieb der Zeche Hilterberg führte auch zu Streitigkeiten:
so klagte der Müller J. G. Suttmeyer aus Kloster Oesede (Mühle im Familienbesitz seit 1803) vor dem Königlichen Oberlandesgericht in Celle 1892 gegen den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein wegen Wasserentziehung; für die Beweisaufnahme war das Königliche Amtsgericht Iburg beauftragt worden.

Bergleute des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins, ca. 1890
(aus: Hans RÖHRS 1992, Archiv: Werner BEERMANN)

Infolge starker Wassereinbrüche, günstigeren Kohlenbezugsmöglichkeiten von der Zeche Werne (nördlich der Lippe; Konsolidierung am 06. Juni 1901), schlechter Qualität (die Kohle hatte einen Aschengehalt von 20 - 25%) und schwierigen Abbaubedingungen (die Kohlenflöze hatten wechselndes nördliches Einfallen von 60° bis 85°) wurde die Kohlenförderung der Zeche Hilterberg am 31.03.1903 beendet. Die Wasserwältigung wurde mit dem 01. April 1903 um 18:00 Uhr eingestellt - die Aufräumungsarbeiten begannen: Ausbauen der Maschinen, Rohrleitungen und Grubenbahnen in der Grube, Sicherung und Zumauerung des Karlsstollens, Zufüllen der Schächte und die Aufräumungsarbeiten über Tage. Hiermit waren noch rund 30 Personen bis Ende Mai 1903 beschäftigt. Der Abbruch der Seilbahn erfolgte nach der Ernte, um nicht die unter der Seilbahn befindlichen Saaten zu beschädigen.

Georgs-Marien-Bergwerks- & Hütten-Verein,
Aktiengesellschaft.

Abtheilung B. A. Abtheilung Piesberg, Eversburg.
Telegramm-Aufschrift: B. Abtheilung Hüttenwerk, Georgsmarienhütte.
" Hüttenwerk Georgsmarienhütte". C. Abtheilung Eisen- & Hüttenwerk, Osnabrück.

                                                                       Georgsmarienhütte, den 8. April 1903.

                                                An

                                                den Königlichen Revierbeamten

                                                Herrn Bergrat Pommer

                                                Hamm.

Im Anschluss an unsere Anzeige vom 2. Februar d. J. betreffend Einstellung der Zeche

Hilterberg zum 31. März teile ergebenst mit:

Nachdem die Förderung auf Zeche Hilterberg, mit dem 31. März d. J. und ebenso die

Wasserwältigung mit dem 1. April nachmittags um 6 Uhr eingestellt ist, sind nunmehr nur

noch Aufräumungsarbeiten im Gange. Dieselben bestehen im Ausbauen der Maschinen,

Rohrleitungen und Grubenbahnen in der Grube, Zumauerung des Karl-Stollens, Sicherung

resp. Zufüllung der Schächte und Aufräumungsarbeiten unter Tage. Bei diesen Arbeiten sind

zur Zeit rd. 30 Mann beschäftigt.

Die Arbeiten unter Tage werden voraussichtlich in 14 Tagen beendet sein, diejenigen über

Tage voraussichtlich gegen Ende Mai d. J. Nur der Abbruch der Seilbahn vom Tiefbau-

schacht nach Bahnhof Wellendorf wird erst nach der Ernte angängig sein, um nicht die

unter der Seilbahn befindlichen Saaten zu beschädigen.

Die Wasser in der Grube stehen heute 27 m unter der 40 m Sohle, d. i. beim Stollenschacht

59 m unter Stollensohle und steigen augenblicklich rd. 1 m pro Tag.

                                                                                   Hochachtungsvoll & ergebenst!

                                                                                               v. Weyhe.

 

Georgs-Marien-Bergwerks- & Hütten-Verein,
Aktiengesellschaft.

Abtheilung B. A. Abtheilung Piesberg, Eversburg.
Telegramm-Aufschrift: B. Abtheilung Hüttenwerk, Georgsmarienhütte.
" Hüttenwerk Georgsmarienhütte". C. Abtheilung Eisen- & Hüttenwerk, Osnabrück.

                                                                       Georgsmarienhütte, den 7. Mai 1903.

                                                An

                                                den Königlichen Revierbeamten

                                                Herrn Bergrat Pommer

                                                Hamm.

                                                                                       

In Erledigung des dortseitigen Schreibens vom 6. d. M. bemerke ergebenst, dass ich Ew.

Hochwohlgeboren Dienstag Nachmittag um 2 1/2 erwarten werde, um mit Ihnen nach

Hilterberg zu fahren.

Zur Sache bemerke ich, dass der Stollenschacht, Ihrer Anregung Folge gebend, auf der

Stollensohle mit starken eisernen bis 9 m mächtigen Trägern, welche über die Schmalseite

des Schachtes (2,1 m (...)) gelegt sind, bedeckt wurde. Auf die Träger sind 5 - 6 m lange

(S(...) länge 5 m) alte Haarmann'sche Schwellenschienen Fuss an Fuss gelegt und das Ganze

mit einem Cementbeton ausgefüllt und überdeckt. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, dass

dieses Gewölbe dauernd stehen bleibt.

Der Stollen ist sodann mit einem 2 1/2 starken Damm an einer Stelle, wo das Gebirge fest ist,

geschlossen und ausserdem noch das Stollenmundloch durch einen zweiten Damm gesperrt.

Heute ist mit der Zufüllung des Stollenschachtes resp. des Wetterschachtes über der Stollen-

sohle sowie des alten Förderschachtes begonnen.

                                                                                   Hochachtungsvoll & ergebenst!

                                                                                               v. Weyhe.

Notiz !

Die Zufüllung der Schächte der Zeche ist in Angriff genommen und wird voraussichtlich

noch 2 Monate in Anspruch nehmen.

Hamm, 14.05.1903

Pommer

Brief vom 08.04.1903 (eingegangen am 09.04.1903)   Brief vom 07.05.1903 (eingegangen am 08.05.1903)

Einige der arbeitslosen Bergleute wurden in Sentrup beim Tonwerk F. Blanke als Arbeiter eingestellt.

Die Anlagekosten waren durch Abschreibung und Verwertung der Maschinen, Kessel, usw. getilgt.

Am 01.01.1951 war Eigentümer die Klöckner Bergbau Victor-Ickern AG in Castrup-Rauxel.

Am 25.02.1957 erlosch nach 99 Jahren die Konzession für das Feld "Hilterberg".
Die Fa. Rahenbrock wollte die Konzession, zog ihren Antrag aber mit Schreiben vom 10.10.1957 wieder zurück.
Auch die Fa. PREUSSAG AG beantragte nach Ablauf der Konzession Untersuchungsarbeiten - fünf Untersuchungsbohrungen waren geplant. Der Antrag wurde jedoch auf unbestimmte Zeit zurückgestellt.

Heute befinden sich im unmittelbar angrenzenden nördlichen Bereich von "Hilterberg" die Steinkohlenfelder (von West nach Ost) "Borgloh" des aktuellen Rechtsinhabers Fa. Bergbau Goslar GmbH und "Borgloh-Süd", aktueller Rechtsinhaber ist die Fa. Hasberg Bergwerks GmbH.

Da das ehemalige Kohlen-Abbaugebiet zu den bergbaulich beeinflussten Standorten gehört, ist bei dortigen Baumaßnahmen die Beteiligung der Bergbehörden erforderlich.

Noch heute lagern dort viele Millionen Tonnen Kohle - ob sie jemals abgebaut werden ist eher unwahrscheinlich. Doch wer mit offenen Augen durch das dortige Gelände streift, kann manches Handstück als Erinnerung an die einstige rege Bergbautätigkeit mit nach Hause nehmen.

"Carl-Stollen" (Karlsstollen)
(Mundloch: R 34 39 400, H 57 82 480, NN + 131,0 m)

1872 begann der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein in Nähe des Schlochterbachs, dem linken Nebenfluss der Düte, südlich des "Bollenbrink", mit dem Bau des Karlsstollens (alte Bezeichnung: Carl-Stollen). Er wurde nach Südsüdwesten vorgetrieben, nach 240 m mit dem Luftschacht A und nach 460 m mit dem Luftschacht B (hier sehr gestörtes Gebirge) versehen und anschließend auf insgesamt 920 m verlängert.

In der Inaugural-Dissertation "Der Teutoburger Wald bei Iburg" von Karl Andrée, Göttingen 1904, schrieb dieser zum Stollenvortrieb:
"Hiernach verläuft der Karls-Stollen vom Mundloch ab etwa senkrecht zum Streichen der Schichten auf den Kamm des Hohnsberges zu und traf zuerst einen vielfachen Wechsel von Schiefern und Sandsteinen mit wenigen dünnen Kalkbänken, zunächst mit etwa 60° nördlichem Einfallen. Dasselbe sank aber bei 90 m Länge plötzlich auf 30°. Bei 156 m war eine "Kluft" angefahren, von da bis 240 m, etwa der Stelle des Luftschachtes, sehr gestörtes Gebirge. Weiterhin fielen die Schichten sehr steil, mit 80-85°, nach Süden, ein, und erst bei 438 m wurde das erste der 4 Flötze mit 85° Einfallen angetroffen; die übrigen drei fielen etwas weniger steil (bis 82°) ein. Von der Störungszone an bis zum ersten Kohlenflötz enthielt nur etwa das erste Drittel noch Lagen von Sandstein im Wechsel mit Schiefer und wenigen Kalkbänkchen und ist wohl als unterer Wealden zu deuten; die letzten zwei Drittel bestanden ausschließlich aus Schiefern in dünnen Lagen von Kalkstein."

Benannt wurde der Stollen wahrscheinlich nach dem seit dem 06.10.1870 als Generaldirektor und alleinigen Vorstand des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins arbeitenden Carl Wintzer.
Der am 01.01.1828 geborene Carl Wintzer, bislang Direktor der Johanneshütte in Duisburg-Hochfeld, trat Ende Juli 1860 als Hüttendirektor und Vorsitzender des Vorstandes in den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein ein. Am 06. Oktober 1860 wurde er zum Hütten- und Kaufmännischen Direktor sowie zum Vorsitzenden des Vorstandes ernannt. Am 30.12.1881 verstarb Carl Wintzer im Alter von 53 Jahren nach langer Krankheit. Im Nachruf des Aufsichtsrates ist zu lesen, dass: "Die ausgezeichneten Eigenschaften dieses in jeder Beziehung vorzüglichen Beamten, seine geschäftliche Thätigkeit, seine Pflichttreue und Herzensgüte, seine hohen Verdienste um die Entwicklung der industriellen Unternehmungen unserer Gesellschaft (...) für alle Zeiten bewahrt bleiben möge."

Carl Wintzer, Brustbild 1880
(aus: Hermann MÜLLER 1896)

Nach dem Tod des Commerzienrathes Carl Wintzer übernahm sein bisheriger Stellvertreter, Theodor Holste, den Vorstandsvorsitz des Vereins. Der 1832 geborene Holste, der vorher Königlicher Berginspektor in Saarbrücken war, wurde am 01.08.1870 zum Bergwerksdirektor und Grubenrepäsentanten ernannt. Seit September 1873 Stellvertreter des Vorstandes, wurde er am 17. Februar 1882 zum Gesamtvorstand und ab 1885 zum gemeinschaftlichen Vorstand ernannt. Nach seinem Ausscheiden am 01.07.1890 aus dem Vorstand übernahm er die Stellung eines Beraters des Vereins in Bergwerksangelegenheiten; wenige Monate später (19.11.1890) wurde er zum Mitglied des Aufsichtsrates gewählt. Am 15.11.1894 verstarb Holste nach längerem Leiden an Leberkrebs. In dem ihm vom Vorsitzenden der Generalversammlung vom 4. Dezember 1894 mündlich gewidmeten und im Geschäftsbericht 1894/95 schriftlich wiederholten Nachruf heißt es: "Wir verdanken ihm die gründliche und allseitige Regelung unserer Bergwerksangelegenheiten. Sein strammes und gerechtes Regiment und seine väterliche Fürsorge für die Arbeiter haben sehr wesentlich zur Aufrechterhaltung und Förderung des die Arbeiterschaft der Georgs-Marien-Hütte und der zugehörigen Bergwerke auszeichnenden vortrefflichen Geistes (...) beigetragen." Sein Vorgänger als Grubendirektor war ab dem 15. Februar 1857 der belgische Staatsingenieur Georg Wittenauer (1819 - 1903), der 1870 wegen langwieriger schwerer Krankheit aus dem Dienst schied. Wittenauer bildete ab Ende 1860 mit Carl Wintzer die Direktion des Vereins.
Nachfolger als Bergwerksdirektor wurde am 01.07.1895 der Bergwerksdirektor Carl von Weyhe, der seit dem 01.08.1890 bei der Georgsmarienhütte beschäftigt war. Am 15.08.1899 wurde von Weyhe stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Mitte 1874 war der Stollen fertiggestellt.
Mit Schreiben vom 24. Juli 1874 bekam der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein vom Königlichen Ober-Bergamt in Dortmund eine "Concessions-Urkunde" überreicht. Damit wurde erlaubt, vor dem Mundloch zum Betrieb einer Aufzugs-Maschine einen Dampfkessel aufzustellen:

Concessions-Urkunde.

Vom Georg-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein zu Georgs-Marienhütte bei Osnabrück wird die beantragte Genehmigung zur Aufstellung von einem zum Betriebe einer
Dampfaufzugs-Maschine bestimmten Dampfkessel beim Mundloche des Carls-Stollen der Steinkohlenzeche Hilterberg auf Grund des § 59 des Allgemeinen Berggesetzes
vom 24. Juni 1865 (G. S. S. 705)1 und des § 24 der Gewerbe-Ordnung für den Norddeutschen Bund vom 21. Juni 1869 (B. G. Bl. 1869 S. 245)2, sowie vorbehaltlich aller
etwa entgegenstehenden Privatrechte unter folgenden Bedingungen hierdurch erteilt.

1. Die Sicherheitsventile dürfen nur einem Überdruck von fünf Atmosphären entsprechen und zwar nur nach Maßgabe des nach der Bestimmung zu 4 hinter dieser Urkunde
eingetragenen Vermerk belastete werden.

2. Die übrige Ausführung muß genau nach Anleitung der vorgelegten, mit dem Siegel des unterzeichneten Königlichen Ober-Bergamtes beglaubigten und von dem Königlichen
Revier-Bergbeamten Bergrath von Renesse zu Osnabrück geprüften Beschreibung und Zeichnungen, sowie mit sorgfältiger Beachtung der allgemeinen polizeilichen
Bestimmungen über die Anlegung von Dampfkesseln vom 29. Mai 1871 (R. G. Bl. S. 122) geschehen.

3. Die Erfüllung der vorstehenden Bedingungen ist dem Revier-Bergbeamten nachzuweisen, der sich davon durch eine den Vorschriften der Nro. 6 der Anweisung vom
4. September 1869 zur Ausführung der Gewerbe-Ordnung für den Norddeutschen Bund entsprechende Untersuchung zu überzeugen hat. Über die daselbst angeordnete vor
der Aufstellung zu bewirkende Prüfung des Dampfkessels mittels einer Druckpumpe ist die Bescheinigung eines sachverständigen Beamten dem Revier-Bergbeamten vorher
einzureichen, sofern die Prüfung nicht dem Letzteren selbst übertragen werden möchte.

4. Das Ergebnis der bei der Untersuchung zu 3 von dem Revier-Bergbeamten zu bewirkende Regulierung der Sicherheits-Ventil-Belastung ist von demselben in diese Urkunde
jedesmal einzutragen, weshalb die letztere bei der Untersuchung zu 3 dem genannten Beamten regelmäßig vorzulegen ist.

5. Die Benutzung des Dampfkessels darf nicht eher beginnen, als bis auf Grund dieser Bescheinigung und der zu 3 gedachten Untersuchung von dem Revier-Bergbeamten die
Erlaubnis dazu schriftlich erteilt worden ist, widrigenfalls die im § 147 der Gewerbe-Ordnung für den Norddeutschen Bund vom 21. Juni 18693 angedrohte Strafe eintritt.

Die Benutzung des Dampfkessels für einen anderen als den obengedachten Zweck des Betriebes unterliegt der besonderen diesseitigen Prüfung und Genehmigung.

Diese Genehmigung erlischt, wenn nicht binnen Jahresfrist die Ausführung der Anlage soweit gediehen ist, daß der Betrieb angefangen hat.

Dortmund, den 24. Juli 1874
Königliches Ober-Berg-Amt
[gez. Bölling u.a.]

1 § 59 des Allgemeinen Berggesetzes vom 24. Juni 1865: "Die zum Betrieb auf Bergwerken (...) dienenden Dampfkessel (...) unterliegen den Vorschriften der Gewerbegesetze."
2 § 24 der Gewerbe-Ordnung für den Norddeutschen Bund vom 21. Juni 1869: "Zur Anlegung von Dampfkesseln (...) ist die Genehmigung der nach den Landesgesetzen zuständigen Behörde erforderlich."
3 § 147 der Gewerbe-Ordnung für den Norddeutschen Bund vom 21. Juni 1869: "Mit Geldbuße bis zu Einhundert Thalern und im Unvermögensfalle mit verhältnismäßiger Gefängnisstrafe bis zu sechs Wochen wird bestraft: (...)."

Im November 1874 begann mit 48 Beschäftigten der durch vielfältige Verwerfungen erschwerte Betrieb der Anlage.

Der Stollen durchfuhr fünf Kohlenflöze:
das erste Flöz bei 438 m hatte 1,0 m unreine Kohle (bei 85° nördlichem Einfallen), das zweite Flöz wurde bei 447,5 m angefahren und bestand aus 0,2 m Kohle, 0,2 m Zwischenmittel ("Bergen") und 0,15 m Kohle. Weiter folgte ein Flöz mit 0,72 m Kohle, 1,0 - 2,0 m Tonstein und ein Flöz mit 0,36 m Kohle.
Abbauwürdig waren aber nur die letzten beiden Flöze; die wahrscheinlich dem unteren Flözpaar (Oberbank und Unterbank) angehörten.

Vom Karlsstollen aus wurden streichende Grundstrecken in einer Länge von 2.400 m nach Westen und 1.200 m nach Osten getrieben. Die flache Abbauhöhe betrug 30 m bis 60 m und die durchschnittliche Mächtigkeit der beiden, durch ein Zwischenmittel von 1,50 m getrennten Flöze 0,50 m bis 0,90 m.

Situationsplan am Stollenmundloch Mitte 1897

Zwei Analysen der anstehenden Glanzkohle im Jahre 1969 durch Dr. Helmut Jacob und Dr. Wilhelm Harre (beide: Bundesanstalt für Geowissenschaften, Hannover) von der Halde Karlsstollen ergaben:

Kurz (Immediat-) Analyse (JACOB)
Wassergehalt (lufttrocken): 2,9 Gew.%
Aschengehalt (wasserfrei): 4,8 Gew.%
Aschenfarbe Koks: mittel- bis dunkelbraun
Koksbeschaffenheit: silbergrau, gebacken
flüchtige Anteile (wasser- u. aschefrei): 46,3 Gew.%
Gesamtschwefel (wasserfrei): 1,68 Gew.%
Elementar-Analyse (HARRE)
Kohlenstoff (C; wasser- u. aschefrei): 78,18 Gew.%
Wasserstoff (H2; wasser- u. aschefrei): 5,82 Gew.%
Schwefel (S; wasser- u. aschefrei): 2,0 Gew.%
Verbrennungswärme (oberer Heizwert / lufttrocken): 7.400 Kcal/kg
Kohlenbestandteile:
Vitrit (Glanzkohle): reichlich
Clarit (Halbglanzkohle): Hauptanteil
Durit (Mattkohle): selten
Fusit (Faserkohle): 0
Exinit (lipidreiche Mazerale): reichlich
Inertinite (nicht mehr brennbare Mazerale): reichlich
Pyrit u. Eisenhydroxide: reichlich
Ton: reichlich

In den ersten Betriebsjahren wurde die geförderte Kohle mit Pferdewagen zur Georgsmarienhütte gebracht.
Ebenfalls mit Pferdewagen wurden Kohlen an das Betriebswerk der Hannoverschen Staatsbahn (Strecke Löhne - Osnabrück - Emden) nach Osnabrück geliefert. Der für die Befeuerung der Lokomotiven benötigte Koks wurde u.a. aus der hiesigen Steinkohle in einer bahneigenen Kokerei an der Sandbachstraße (im Norden Osnabrücks) erzeugt.

Die Qualität der Kohle war zufriedenstellend. Bis zum 01. Juli 1879 wurde bei einer Förderung von jährlich ca. 9.000 Tonnen Kohle ein Gewinn von 43.500 Mark erzielt.

Verwendung fand die Kohle hauptsächlich als Schmiedekohle, wurde später aber auch im Eisenhüttenbetrieb und in der näheren als Hausbrand genutzt.

In den Jahren 1883/84 wurde ein kleiner Schacht abgeteuft und von diesem aus bei 40 m Teufe ein Hauptquerschlag angesetzt um das Verhalten der Kohlenflöze in größerer Tiefe zu untersuchen.

1885 wurde der Stollen auf 920 m verlängert und an seinem Ende ein Tiefbauschacht ("Alter (1.) Tiefbauschacht") abgeteuft.
Südlich des Luftschachtes B befand sich ein Sprengstofflager - abgetrennt durch zwei Türen vom Stollen.

Situation südlich des Stollenmundloches mit den oberirdischen Anlagen
bis zum Sprengstofflager im Süden mitsamt Lage der Luftschächte A und B
sowie des Stollenschachtes "Neuer (2.) Tiefbauschacht",
nach einer Originalrisszeichnung von Markscheider Plock, 1880 - 1900,
Zeichnung: Marianne Grebing

Nach Einstellung des Betriebes am 31.03.1903 wurde der Stollen zugemauert.
Da der Stollen mächtige und mehrfach gestörte Schiefertone durchfuhr, dürfte er inzwischen zu Bruch gegangen sein.

Der im Hilterberger Bergbau tätige Maschinist Mathias Plogmann (geb.: 1876, gest.: 1953) zog Anfang Oktober 1903 nach kleinen Umbauarbeiten in das am Karlsstollen befindliche Bürohaus mitsamt Kaue ein. Das Grundstück war 1873 vom Georgs-Marien-Bergwerkwerks- und Hüttenverein gekauft und 1874 bebaut worden. 1927 kaufte Mathias Plogmann das Grundstück mitsamt Gebäude. Bereits ein Jahr zuvor fing sein Sohn Georg (geb.: 1910, gest.: 1998) mit einem Teich mit einer Fischzucht an. Weitere Teiche folgten Ende der 20er bis Mitte der 30er Jahre - zum Schluss waren es 13 Teiche.
1939 wurde das Haus komplett umgebaut - 1993 wurde die Fichzucht aufgegeben.

Mundloch des Karlsstollens, April 1986
Aufnahme: Ralf Grebing

Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg begann Heinrich Rahenbrock am Luftschacht A die vorhandenen Kohlen-Sicherheitspfeiler abzubauen - dies war jedoch nur von kurzer Dauer.

Das Wasser, welches heute aus dem Stollen tritt, ist sehr ockerhaltig. Dies liegt in einer natürlichen Ursuche begründet:
Kohlensäure aus der Luft und Huminsäuren im Boden lösen mit Hilfe des einsickernden Regenwassers die im Boden enthaltenen Eisenverbindungen zu Eisenkarbonaten und Eisenhumaten. Beim Zutritt von (Luft-)Sauerstoff in den mehr oder weniger noch offenen Grubenbauen wandeln sich diese in Eisenhydroxide um, dem Ocker, der dann mit dem Grubenwasser austritt.
Auch zurückgelassene eisenhaltige Utensilien des Bergbaus verstärken diesen Effekt.

Alter (1.) Tiefbauschacht
(R 34 40 280, H 57 82 180, NN + 160,0 m)

In den Jahren 1885/86 wurde für 153.838,92 Mark 920 m östlich vom Mundloch des Karlsstollens ein kleiner Tiefbauschacht niedergebracht, welcher bei einer Teufe von 63,92 m ein Abbaufeld von 40 m saigerer (senkrechter) Teufe unter der Stollensohle aufgeschlossen hatte.
"Tiefbauschacht" bedeutet, dass eine Schachtanlage mit maschinentechnischer Ausrüstung, mit einem kompakten Zechengebäudekomplex sowie mit einer Schachtteufe unter das bisherige Abbauniveau geschaffen wurde." (RÖMHILD 1985)

 
Profil durch den Alten (1.) Tiefbauschacht,
angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock, Mai 1891 (Maßstab: 1 : 400),
Archiv: Hans Röhrs
  Alter Tiefbauschcht mit Hilfsschacht
aus: "Längenprofil vom Bau auf dem Steinkohlenflötze No. IV",
angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock (Mai 1891 - Mai 1899),
Archiv: Hans Röhrs

Abgebaut wurden Flöz Oberbank (Flöz III) mit durchschnittlich 0,75 m Steinkohle und Flöz Unterbank (Flöz IV) mit durchschnittlich 0,90 m Steinkohle.

Ca. 6 m östlich des Schachtes wurde ein Hilfsschacht niedergebracht; im Abbaugebiet wurden zahlreiche Querschläge, Überhauen, Lichtlöcher und Bohrlöcher abgeteuft.
Ein Überhauen ist ein steil geneigter Grubenbau, der Sohlen miteinander verbindet. Die Lichtlöcher sind kleine Schächte zur Bewetterung der Grubenbaue.

Richtung Osten waren die Flöze nur auf kurze Entfernung regelmäßig angetroffen worden, da das Gebirge dort stark verworfen war; eine Kohlengewinnung fand daher dort nur in begrenztem Umfang statt.
Nach Westen wurde das Flöz IV nur auf einer Erstreckung von 450 m, das Flöz III bei schwankender Mächtigkeit von 0,50 m bis 0,60 m und wechselndem nördlichen Einfallen durchgehend abgebaut.

Eine geplante Vertiefung unterhalb der Mittelsohle war wegen des großen Wasserandranges nicht möglich.
Die Grubenwässer wurden mit einer 20-PS-Wasserhaltungsmaschine bis auf die Talsohle gehoben, die aufgestellte Fördermaschine hatte 16 PS. Zum Betrieb der Maschinen waren drei Dampfkessel vorhanden.

Während der Jahre 1885 bis 1891 wurden jährlich durchschnittlich 6.000 Tonnen Kohle gefördert.

Situationsplan Alter Tiefbauschacht mit nördlich gelegenem namenslosen Schacht
aus: "Specialgrundriß vom Bau im Flötz No. IV",
angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock (Mai 1891 - August 1900),
Archiv: Hans Röhrs

Wegen der hohen westfälischen Kohlenpreise wurde der Kohlenabbau im Jahre 1891 verstärkt: im Durchschnitt der Jahre 1891 bis 1893 betrug die Förderung 20.724 Tonnen. In diesen Jahren deckte die Zeche den gesamten Bedarf an Kohlen, die das Stahlwerk für die Gaserzeugung benötigte (täglich sechs Doppelwagen). Außerdem wurden die Kesselheizungen am Hüggel (Hasbergen) und am Schafberg (Ibbenbüren) sowie einige Ziegeleien in der Nachbarschaft (z.B. Hankenberge) mit Steinkohlen beliefert.

Der Kohlenabbau erfolgte auf der Stollensohle (24 m Teufe) und der Grundstrecke (40 m Teufe). Die durchschnittliche Mächtigkeit des Flözes III betrug 0,75 m und Flöz IV hatte eine Mächtigkeit von 0,90 m.
Die Bergleute arbeiteten mit offenem Geleucht (was in der Karbon-Kohle undenkbar wäre).

Zwischen dem Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein, vertreten durch Herrn Direktor Holste zu Georgsmarienhütte und dem Königlichen Bergfiskus, vertreten
durch die Königliche Berginspektion zu Borgloh wird vorbehaltlich der Genehmigung des Königlichen Oberbergamtes zu Dortmund und des Herrn Ministers der
öffentlichen Arbeiten nachfolgender Ausbeutungsvertrag abgeschlossen:

§ 1.
Der Königliche Bergfiskus gestattet dem Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein auf der dem letzteren gehörigen Steinkohlenzeche Hilterberg die Grundstrecke
der 40 m unter Stollensohle liegenden 1. Tiefbausohle im Flöz 4, etwa in der auf der beigehefteten und diesem Vertrage zugehörigen Karte mit aa bezeichneten projectierten
Streichungslinie, bis zum Wiedereintreten in das Feld Hilterberg durch das hier liegende Feld der bergfiskalischen Steinkohlengrube Borgloh hindurchzutreiben und das über
dieser Grundstrecke bis zur Markscheide der Zeche Hilterberg und Borgloh im bergfiskalischen Feldesstücke AAAA in den Flözen 3 und 4 anstehenden Kohlen für eigene
Rechnung und unter den nachfolgenden Bedingungen auszubeuten.

§ 2.
Für die im bergfiskalischen Felde sowohl beim Streckenbetrieb als beim Feldesvertrieb gewonnen Kohlen zahlt der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein an die
Königliche Grubenbetriebskasse zu Borgloh einen Förderzins von 0,40 Mark - vierzig Pfennige - pro Tonne. die Zahlung erfolgt allmonatlich bis zum 20. nach Ablauf des
Fördermonats auf Grund einer Nachweisung, welche von dem Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein auf ihre Richtigkeit, insbesondere auf ihre Übereinstimmung
mit dem Förderregister bescheinigt ist.

§ 3.
Die Königliche Berginspektion zu Borgloh ist befugt, zu jeder Zeit die Zeche Hilterberg zur Kenntnisnahme von dem Stande der Baue durch einen von ihr beauftragten
Beamten befahren und die Förderregister, in denen die aus bergfiskalischen Felde geförderten Kohlen besonders ersichtlich gemacht werden müssen, einsehen zu lassen.

§ 4.
Die im bergfiskalischen Felde aufgefahrenen Grundstrecken sind durch Präzisionsmessung, alle übrigen Baue nach den bestehenden bergpolizeilichen Vorschriften aufzunehmen
und auf die Grubenbilder aufzutragen.

§ 5.
Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein verpflichtet sich, mit dem Auffahren der Grundstrecke alsbald nach Abschluß dieses Vertrages zu beginnen und dieser
sowie den sonst benötigten Aus- und Vorrichtungsarbeiten den Vortrieb des Feldes ohne Unterbrechung folgen zu lassen, so zwar, daß spätestens nach Verlauf von fünf
Jahren vom Vertragsschluß ab das zur Ausbeutung überlassene Feld gänzlich verhauen ist.

§ 6.
Wird aus irgendeinem Grunde vor Ablauf der in § 5 angegebenen Zeit der Fortbetrieb der Grundstrecke oder nachdem die letztere gänzlich durchgetrieben worden, ist der
Betrieb des Feldes eingestellt, so zahlt der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein für jede Tonne der im ersteren Falle über dem Grundstreckenteil, im zweiten Fall
über der ganzen Grundstrecke noch anstehenden abbauwürdigen Kohlen an die Königliche Grubenbetriebskasse zu Borgloh eine Entschädigung von 0,40 Mark - "vierzig
Pfennige" - pro Tonne, erhält dafür aber bezüglich dieser Kohlen für alle weitere Zeit das freie Dispositionsrecht. Die Menge der noch anstehenden und hereinzugewinnenden
Kohlen soll in diesem Falle von einem Sachverständigen, den das Königliche Oberbergamt zu Dortmund ernennt, endgültig abgeschätzt werden mit Ausschluß des Rechtsweges.

§ 7.
Für die aus dem bergfiskalischen Felde geförderten Kohlen zahlt der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein die gesetzlichen Bergwerkssteuern.

§ 8.
Als Sicherung für die von dem Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein übernommenen Verpflichtungen haftet anteilig die von demselben bei der Königlichen Berginspektion
zu Borgloh hinterlegte Kaution für gestundete Kohlengelder in Höhe von 100 000 Mark.

§ 9.
Sollten über Auslegung dieses Vertrages Streitigkeiten entstehen, so entscheidet hierüber gleichfalls das Königliche Oberbergamt zu Dortmund mit Ausschluß des Rechtsweges.

§ 10.
Wegen Kassierung von Stempeln gelten die gesetzlichen Bestimmungen.

Borgloh, den 20. Februar 1888.
Königliche Berginspektion.
(L.S.) gez.: Behrens.

Georgsmarienhütte, den 18. Februar 1888.
Der Vorstand des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins.
gez.: Holste.

Der vorstehende Vertrag wird auf Grund der Ermächtigung des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeit hiermit bestätigt.
Dortmund, den 17. April 1888.
(L.S.)
Königliches Oberbergamt.
gez.: (Unterschrift)

Ausbeutungsvertrag von 1888

Nach dem 2. Weltkrieg fand ein umfangreicher Notbergbau auf der Zeche Hilterberg statt, dessen Fördermengen aber nicht erfasst wurden. Die geförderte Steinkohle wurde im Wesentlichen für den Hausbrand in der näheren Umgebung verwendet.

Die Kohlengroßhandlungen Fa. Helweg und Fa. Wilhelm Schweppe förderten vom 01.01.1952 bis zum 31.12.1953 die Steinkohle der Zeche Hilterberg. Ursprünglich sollten damals 75% der geförderten Kohlen den Werksangehörigen der Klöckner-Werke angeboten werden. Nach Rücksprache mit dem Bergrat Schlosser vom damaligen Bergamt Meppen wurde der Betrag auf 20% herabgesetzt, da es sich um eine Industriekohle handelte.
Die Fa. Wilhelm Schweppe wurde am 13.11.1897 in das Handelsregister von Osnabrück eingetragen. Wilhelm Schweppe sen. verstarb 1947, persönlich haftender Gesellschafter war zu diesem Zeitpunkt sein Schwiegersohn Dr. Otto Rühlmann - der Firmensitz befand sich im Haus "Rißmüllerplatz 1" in Osnabrück.
Schweppe war auch an der Grube Osmag der Osnabrücker Metallwerke AG mitbeteiligt, die das Flöz Buchholz zwischen dem Rudolfschacht und der Recker Straße (Ibbenbüren) von 1922 bis 1926 abbauten.

Zwei Analysen der anstehenden Glanzkohle im Jahre 1969 durch Dr. Helmut Jacob und Dr. Wilhelm Harre (beide: Bundesanstalt für Geowissenschaften, Hannover) von der Halde Hilterberg (Ober- oder Unterbank?) aus der Abbauzeit zwischen 1945 und 1952 ergaben:

Kurz (Immediat-) Analyse (JACOB)
Wassergehalt (lufttrocken): 2,5 Gew.%
Aschengehalt (wasserfrei): 6,2 Gew.%
Aschenfarbe Koks: rosa, mit weißem Strich
Koksbeschaffenheit: silbergrau, gebacken
flüchtige Anteile (wasser- u. aschefrei): 45,4 Gew.%
Gesamtschwefel (wasserfrei): 1,68 Gew.%
Elementar-Analyse (HARRE)
Kohlenstoff (C; wasser- u. aschefrei): 80,01 Gew.%
Wasserstoff (H2; wasser- u. aschefrei): 6,00 Gew.%
Schwefel (S; wasser- u. aschefrei): 2,0 Gew.%
Verbrennungswärme (oberer Heizwert / lufttrocken): 7.440 Kcal/kg
Kohlenbestandteile:
Vitrit (Glanzkohle): reichlich
Clarit (Halbglanzkohle): Hauptanteil
Durit (Mattkohle): reichlich
Fusit (Faserkohle): selten
Exinit (lipidreiche Mazerale): reichlich
Inertinite (nicht mehr brennbare Mazerale): 0 bis selten
Pyrit u. Eisenhydroxide: reichlich
Ton: selten

Das Zechendenkmal erreichen Sie am schnellsten nach ca. 230 m vom Wanderparkplatz "Limberg" aus über den rückläufigen Wanderweg Nr. 3 (gelb).
Die heute sichtbare Schachtanlage wurde 1989 von dem Hankenberger Ortsbürgermeister Heinrich Vorwald und weiteren Anwohnern, mit Unterstützung der Gemeinde Hilter a.T.W., freigelegt. Zeitgleich wurde der 38 km lange Rundwanderweg "Rund ümme Hilter" an dieser neuen Gedenkstätte entlang und über die ehemalige Kohlenhalde hinweg geführt.
Die Anlage mitsamt Erläuterungstafel, deren Text von Horst Grebing verfasst und dessen Gestaltung von Claus G. Hoffmeister aus Hilter a.T.W. übernommen wurde, kostete 9.000,- DM, wovon jeweils 1/3 der Landkreis Osnabrück, die Gemeinde Hilter a.T.W. und Freiwillige finanzierten.
Die neue Anlage wurde am 06.11.1989 der Öffentlichkeit übergeben.

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Zechendenkmal, 2013
(Aufnahme: Horst Grebing)

Im Mai 1991 wurde ein 3 m hohes Kreuz aus Lärchenholz für dort stattfindende Waldgottesdienste aufgestellt.
Zum 70jährigen Bestehen der Siedlung "Zum Limberg" im September 1991 schenkten Anwohner der Gedenkstätte zwei Bergwerksloren mit einem Fassungsvermögen von je 750 kg. Die Loren stammten von der PREUSSAG AG und wurden in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf den Strecken des von-Oeynhausen-Schachtes III im Ostfeld des Steinkohlenbergwerkes Ibbenbüren (heute: RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH) - gezogen von kleinen Loks - eingesetzt.
Weitere - nicht vom hiesigen Bergbau stammende Gegenstände - wurden aufgebaut: eine Kohlenwaage der "Hansa-Waagenfabrik" in Gelsenkirchen, eine elektrisch betriebene Wasserhaltungspumpe der Fa. Johannes Bruncken aus Köln-Bickendorf mit 3-Phasen-Motor, Modell SE, und einer Leistung von 10 PS bei 1000 Umdrehungen, eine Rohrleitung sowie ein Schienenstück einer Grubenbahn.

Otto'sche Drahtseilbahn

Vom Alten (1.) Tiefbauschacht gelangte die Steinkohle mittels einer 1.630 m langen Otto'schen Drahtseilbahn zum Bahnhof Wellendorf. Die Baukosten der Drahtseilbahn der einfachsten Bauart betrugen 92.540,10 Mark.

Werbeanzeige der Fa. Julius Pohlig AG, ca. 1899, Allein-Konzessionär für den Bau der Otto'schen Drahtseilbahnen,
seinerzeit konstruiert von Theodor Otto

Da Bauten der Drahtseilbahn auf dem Grundstück des Bauern Friedrich Wortmann (Hankenberge 20, heute: Zum Limberg 15) errichtet werden mussten, erhielt dieser eine jährliche Entschädigung von 8,50 Mark sowie für Schäden, die durch den Bau verursacht wurden, eine einmalige Entschädigung von 38,00 Mark.

 
Mast der Drahtseilbahn auf einem Gemälde vor dem Hintergrund
des Hauses Hüdepohl (Hermann Heinrich Bernhard Hüdepohl),
später Buschmeyer (Hankenberge 26, heute: Zum Limberg 59), in Hankenberge
(aus: VORWALD, Heinrich & BÖRGER, Johannes 1984)
(ca. 110 m südlich befand sich das 1888 niedergebrachte Bohrloch I zur Klärung der Flözverhältnisse -
bis zur Endteufe von 568,50 m wurden keine Kohlen nachgewiesen.)
  Lage der Drahtseilbahn
(Meßtischblatt 2019: Iburg, 1897)

Angetrieben wurde die Drahtseilbahn durch einen Sauggasmotor; Trag- und Zugseil waren identisch und das Seil lief endlos um.
Der Sauggasmotor ist ein Motor aus der Anfangszeit der Verbrennungsmotoren, der ab ca. 1880 als stationäre Energiequelle eingesetzt wurde. Er verdrängte die etablierten Dampfmaschinen und wurde nach kurzer Zeit von den Dieselmotoren (nach 1900) abgelöst.
In einem Gasgenerator wird Kohle unter Luftmangel verbrannt. Ein Luft-Wasserdampf-Gemisch wird sodann durch die glühende Kohle gesaugt. Der Dampf wird in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten und verbindet sich mit dem Kohlenmonoxid. Daraus entsteht ein Mischgas, bestehend aus 25 % Kohlenmonoxid und 20 % Wasserstoff, welches nach dem Durchlaufen einer Gasreinigungsanlage dem Sauggasmotor zugeführt wird. Der Betrieb des Sauggasmotors war sehr kostengünstig (1902: ca. 0,7 Pfennig pro PS), die Bedienung jedoch ungleich aufwendiger, weshalb der Sauggasmotor auch "Sau-Gasmotor" genannt wurde.

Am Bahnhof Wellendorf wurde die Steinkohle direkt in die Güterwagen gekippt und zum Hüttenwerk gefahren.

Die bahnseitige Verbindung erfolgte über ein Teilstück der im August 1868 eröffneten Osnabrück - Brackweder Eisenbahn ("Haller Willem") und anschließend mit der werkseigenen Eisenbahn vom Bahnhof "Otto-Schacht" (ab März 1908: "Kloster Oesede") bis zum Hüttenwerk.

Leider nicht mehr am Zechendenkmal vorhanden:
eine Lenkrolle der Drahtseilbahn
(Aufnahme: Horst Grebing)

Neuer (2.) Tiefbauschacht ("Zeche Hilterberg")
(R 34 39 325, H 57 82 022, NN + 177,0 m)

Um die 60 Tonnen Steinkohle, die die Stahlwerke Georgsmarienhütte und Osnabrück pro Tag benötigten, fördern zu können, musste ein neuer Tiefbauschacht abgeteuft werden.
Da eine Absenkung nahe dem 1. Tiefbauschacht im Herbst 1892 an bedeutenden Wasserzuflüssen und einer zu schwachen Wasserhaltungsanlage scheiterte, wurde, obwohl bereits 17 m abgeteuft wurden, der Schacht am Kreuzungspunkt zwischen dem Grundstollen und dem Karlsstollen neu angelegt; die hangenden Schichten der dort vorkommenden Flöze waren sehr viel wasserärmer.
Der Stollenschacht befand sich 32 m östlich vom Luftschacht B.

Die Abteufung begann im März 1893; für die Teufarbeiten stellte man einen Dampfhaspel auf der Stollensohle auf. Zur Dampferzeugung dienten zwei am Stollenmundloch aufgestellte Dampfkessel.
Später diente der Dampfhaspel zur Förderung der Kohlen.

Am 20. Juli 1893 wurde dieser 2. Tiefbauschacht, "Zeche Hilterberg" genannt, in Betrieb genommen.

 
Neuer (2.) Tiefbauschacht
aus: "Specialgrundriß vom Bau im Flötz No. IV",
angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock (September 1891 - August 1896),
Archiv: Hans Röhrs
  Profil durch den Stollenschacht
aus: "Specialgrundriß vom Bau im Flötz No. 3",
angefertigt durch Markscheider Ludwig Plock (August 1893),
Archiv: Hans Röhrs

Bei 35 m Teufe unter der ersten Tiefbausohle, 146 m unter Tage, wurde eine Mittelsohle angesetzt. Diese erreichte im Januar 1894 das erste Flöz. Die Schachtabteufung war am 20. Juli 1894 beendet. Der Abbau der Kohlen von der zweiten Tiefbausohle wurde im Oktober 1894 begonnen - 1895 war die zweite Tiefbausohle vorgerichtet und in Betrieb genommen.

Im Jahre 1894/95 lieferte die Zeche Hilterberg 22.811 Tonnen Steinkohle (= 99,46 % der Gesamtförderung) an die vereinseigenen Werke.
Im ersten Halbjahr 1895 betrug die Förderung umgerechnet 85,3 Tonnen Steinkohle pro Fördertag.

Es wurde später auf drei Sohlen, der 75-, 105- und 155-m-Sohle, gefördert. Um 1900 bewegte sich der Betrieb in dem 155 m tiefen Schacht nur noch auf der 75-m-Sohle, da man mit bedeutenden Wasserzuflüssen zu kämpfen hatte.

Im Bereich des Neuen Tiefbauschachtes fallen die Flöze steil nach Norden ein (mit 60° bis 80°), sinken jedoch an wenigen Stellen auf 30° bis 40°. Die Flöze waren besonders im nördlichen Teil des Grubenfeldes stark verworfen; die Schichtfolge liegt überkippt. Die Mächtigkeit der Kohlen wächst von Westen nach Osten: wurde am Limberg ein Flöz von 0,02 m Kohle, ein anderes von 0,05 m bis 0,10 m Mächtigkeit angetroffen, besaß Flöz III bei der Zeche eine Mächtigkeit von 0,80 m und Flöz IV von 1,00 m.

Die Wasserlösung geschah mittels einer vertikal direkt wirkenden 20-PS-Duplex-Pumpe, welche das Wasser vom Schachtsumpf aus einem Pulsometer (= kolbenlose, mit Dampf betriebene Pumpe zum Heben von Wasser) zuführte. Den Dampf für die beiden vorgenannten Maschinen lieferten zwei am Stollenmundloch aufgestellte Dampfkessel. Zudem wurde auf der 2. Tiefbausohle eine 80-PS-Wasserhaltungsmachine aufgestellt.

Die Zahl der Arbeiter (einschl. Meister, Aufseher, Steiger und Vorarbeiter) betrug im Durchschnitt des Jahres 1894/95 194 Personen.

1895 wurden von der Georgsmarienhütten-Eisenbahn vom Hilterberg 22.811 Tonnen Steinkohle angefahren.
Dr. Hermann Müller, Vorsitzender des Verwaltungsrates, urteilte: "Die Hilterberger Kohle ist für die Gaserzeugung in den Generatoren des Stahlwerks vorzüglich und besser geeignet, als die bislang für diesen Zweck bezogene westfälische Kohle."

Der Lohn pro Arbeiter und Schicht betrug:

Juni 1895 Juni 1900
2,02 Mark 2,31 Mark

Im Vergleich dazu:
Auf der Eisenerzzeche "Hüggel" verdiente ein Arbeiter pro Schicht 2,31 Mark (1895) bzw. 2,64 Mark (1900), im Hüttenwerk verdiente ein Arbeiter pro Schicht 2,62 Mark (1895) bzw. 3,12 Mark (1900). Die Löhne der Bergarbeiter auf "Hilterberg" waren die am schlechtesten bezahlten aller Abteilungen der Georgsmarienhütte.

Am 30.06.1895 waren folgende Maschinen auf Hilterberg in Betrieb und in Reserve (einschl. bereits bestellter und noch nicht aufgestellter Maschinen):

Dampfmaschinen1 6 Stck. 58 Pferdestärken
Dampfkessel2 4 Stck. 138 Pferdestärken

1 Dampfmaschine = Maschine, die die im Dampf enthaltene Wärmeenergie mittels Kolben in mechanische Arbeit umwandelt
2 Dampfkessel = Kessel zum Erzeugen von Dampf für die Arbeit der Dampfmaschinen

Zwischen 1895/96 und 1900/01 betrug die Steinkohlenförderung im Durchschnitt jährlich 31.673 Tonnen.

Trotz regelmäßiger Überprüfungen ereignete sich am Montag, den 26. Februar 1900, um 6:00 Uhr bei Beginn der Frühschicht eine Schlagwetterexplosion. Die Belegschaft betrug zu dieser Zeit 208 Mann (177 unter Tage / 31 über Tage). Der Unfall ereignete sich im Flöz III, 155 m unter Tage. Zwei Personen waren am Unglücksort beschäftigt. Die Schlagwetterexplosion trat plötzlich durch eine Kluft hervor, entzündet durch offenes Geleucht. Dabei wurde eine Person, der Bergmann Johann Brinkmann, schwer verletzt - er trug Verbrennungen davon, die aber nicht lebensgefährlich waren. Eine anschließende Überprüfung des Unglücks zeigte, dass kein Bergmann an der Explosion schuldig war.

Probe: Örtlichkeit: Kohlenstoffdioxid (CO2): Methan (CH4):
Röhre 393 110-m-Sohle Osten 0,18 % CO2 Spuren CH4
Röhre 385 155-m-Sohle Westen 0,90 % CO2 0,03 % CH4
Röhre 209 Überhauen der 155-m-Sohle Westen,
40 m über der Grundstreckensohle
0,30 % CO2 kein CH4
Wetterprobe vom 19. Februar 1902

Bis kurz vor Schließung der Zeche waren folgende jugendliche Arbeiter im Steinkohlenbergwerk "Hilterberg" beschäftigt:

  1. Halbjahr 1901: 2. Halbjahr 1901: 1. Halbjahr 1902: 2. Halbjahr 1902:
14 - 16 Jahre:

10

8

8

3

16 - 21 Jahre:

27

39

38

12

gesamt:

37

47

46

15

Die Arbeitszeit der 14 bis 16jährigen betrug 12 Stunden und dauerte von 6:00 Uhr bis 18:00 Uhr; Pausen waren von 9:00 Uhr bis 9:30 Uhr, von 12:00 Uhr bis 13:00 Uhr und von 16:00 Uhr bis 16:30 Uhr.

Frauen arbeiteten nicht im Bergbau!

Namentlich bekannte Bergarbeiter waren der Steiger Weis und der Vater vom Altbürgermeister Heinrich Vorwald (+), Friedrich Vorwald, aus Hankenberge, der bis zur Schließung der Zeche 1903 als Hauer beschäftigt war.
Weitere Personen gehen aus einer Liste der Ortsältesten hervor, die gem. einem Schreiben vom 02. April 1902 zu Schießmeistern bestellt werden sollten:

Name: Wohnort:   Name: Wohnort:
Balsing, Adolph Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)   Möller, Franz Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)
Beckmann, Mathias Ebbendorf (Hilter a.T.W.)   Möller, Friedrich Sentrup (Bad Iburg)
Beermann, Josef Sentrup (Bad Iburg)   Niederwettberg, Mathias Wellendorf (Hilter a.T.W.)
Berenswerth, Mathias Visbeck (Bad Iburg)   Niemann, Heinrich Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)
Berg, Franz Sentrup (Bad Iburg)   Niendick, Friedrich Hankenberge (Hilter a.T.W.)
Bringer, Heinrich Wellendorf (Hilter a.T.W.)   Plaßmeyer, Anton Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)
Brunschmeyer, Franz Natrup-Hilter (Hilter a.T.W.)   Poggemann, Adolph Hankenberge (Hilter a.T.W.)
Bücker, Caspar Wellendorf (Hilter a.T.W.)   Poggemann, Heinrich Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)
Elbert, Heinrich Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)   Rolf, Heinrich Oesede - Dröper (Georgsmarienhütte)
Flacke, Mathias Hankenberge (Hilter a.T.W.)   Schmitz, Josef Sentrup (Bad Iburg)
Flakemeyer, Hermann Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)   Sellmeyer, Heinrich Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)
Flaßpöhler, Bernhard Oesede - Dröper (Georgsmarienhütte)   Spellbrink, Friedrich Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)
Fust, Heinrich Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)   Stegmann, Heinrich Ebbendorf (Hilter a.T.W.)
Hagemeyer, Conrad Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)   Stönner, Heinrich Hankenberge (Hilter a.T.W.)
Hagemeyer, Heinrich Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)   Tolle, Heinrich Natrup-Hilter (Hilter a.T.W.)
Hampkemeyer, Friedrich Wellendorf (Hilter a.T.W.)   Vinke, August Oesede - Dröper (Georgsmarienhütte)
Haßlöwer, Friedrich Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)   Vinke, Joseph Oesede (Georgsmarienhütte)
Heitz, Heinrich Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)   Vinke, Mathias Oesede - Dröper (Georgsmarienhütte)
Hemsath, Heinrich Oesede - Dröper (Georgsmarienhütte)   Vogelsang, Karl Holsten-Mündrup (Bissendorf)
Holkenbrink, Franz Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)   Vornhüls, Georg Wellendorf (Hilter a.T.W.)
Hüpel, David Kloster Oesede (Georgsmarienhütte)   Vorwald, Friedrich Hankenberge (Hilter a.T.W.)
Hüpel, Theodor Wellendorf (Hilter a.T.W.)   Wamhoff, Heinrich Wellendorf (Hilter a.T.W.)
Klöntrup, Heinrich Wellendorf (Hilter a.T.W.)   Westerheide, Wilhelm Ebbendorf (Hilter a.T.W.)
Lohmann, Josef Iburg (Bad Iburg)   Wortmann, Josef Oesede (Georgsmarienhütte)
Lührmann, Caspar Wellendorf (Hilter a.T.W.)      

Die Schießmeister hatten auch schon alle die Befugnis zu schießen und haben sich als zuverlässig gezeigt.

Die Kohle ließ leider an Qualität zu wünschen übrig, da der Aschengehalt 20 bis 25 % betrug. Die Flöze wurden auch durch viele Verwerfungen abgeschnitten oder verschleppt. Es wurde deshalb im März 1903, nachdem schon längere Zeit mit nur verminderten Schichten gearbeitet worden war, der Betrieb endgültig eingestellt. Der Schacht wurde zugeschüttet.

Pingen und Schürflöcher im Limberg

In den Notzeiten während der Ruhrbesetzung durch die Franzosen 1923 - 1925 und nach den beiden Weltkriegen lebte der Bergbau im Limberg stark auf. Dabei wurde ein sog. "wilder Bergbau", d.h. ein unerlaubter, betrieben. Man versuchte in kleinen Gruppen von 2 - 5 Personen an die in geringer Teufe liegende Kohle heranzukommen; der Abbau geschah durch Personen aus den umliegenden Dörfern und sollte die Brennstoffknappheit mindern.

Die zumeist nur 15 m bis 20 m tiefen Kohleschächte wurden mit einfachsten Mitteln betrieben. Die benutzten Dreibäume zählen zu den ältesten und einfachsten Schachtgerüstkonstruktionen. Über eine am oberen Ende befestigte Rolle lief das Seil, mit dem die Fördergefäße im Haspelbetrieb bewegt wurden. Die Vorrichtung diente der Kohlenförderung und der Hebung des Abraums, der beim Schachtabteufen anfiel.

Dreibaum (aus POESCHEL 1990)

So baute z.B. auch Heinrich Vorwald, wie viele andere, nach dem 2. Weltkrieg die verbliebene Kohle ab. Da das Gelände im Bereich der Zeche Hilterberg zum staatlichen Forst gehörte, musste die Bevölkerung erst eine Genehmigung vom damaligen Forstmeister Tornow vom Forstamt Palsterkamp einholen. "Als Gebühr haben Sie sofort an die Regierungshauptkasse in Osnabrück zwei Reichsmark für die Anlage des Geländes und zehn Reichsmark für die Benutzung der Wege zu zahlen (..)" hieß es in dem Berechtigungsschein.

An der Erdoberfläche geförderte Kohle fiel relativ rasch auseinander. Im Ofen erstickte sie daher schnell das Feuer - außerdem rußte sie sehr stark.

War die Qualität der Kohle auch nicht besonders gut, so half sie doch vielen Menschen, die schlimmsten Notsituationen zu überwinden.

Besonders eindrucksvoll sind die zahlreichen Schurfstellen nahe dem Zeppelinstein und der ehemaligen Gastwirtschaft "Zum Zeppelinstein". Auf einer Länge von ca. 230 m befinden sich hier, wie auf einer Perlenschnur aneinandergereiht, bei einer Geländebreite von ca. 40 m zahlreiche Schurflöcher mit kleinen beidseitig abgelagerten Halden.

Die sog. "Urgeschichtlichen Grabhügel" (10 Hügel) am Kammweg des Limberges sind mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls Halden des einstigen Bergbaus am Limberg.

 

Notbergbau am Hilterberg

Am 09.11.1947 wurde die "Interessengemeinschaft Hilterberg Gesellschaft des bürgerlichen Rechts" gegründet, wobei jede nachfolgende Person selbständig für sich allein die Gewinnung von Steinkohle auf eigene Rechnung betrieb:

Name: (alte) Anschrift: Situation am 28. Juni 1948: Situation im September 1949:
Berner, Theodor Kloster Oesede Nr. 210,
Kloster Oesede
Abbaugenehmigung für die Dauer von 20 Jahren ausgetreten
Großebörger, Johannes Holsten-Mündrup Nr. 65,
Holsten-Mündrup
Betrieb 1948 eingestellt und Kohlenschacht zugeschüttet ausgetreten
Hillebrenner, Johann Kloster Oesede Nr. 200,
Kloster Oesede
Betrieb vorläufig eingestellt Mitglied der Interessengemeinschaft
Huning, Heinrich Kloster Oesede Nr. 261,
Kloster Oesede
Betrieb eingestellt und Kohlenschacht zugeschüttet ausgetreten
Kleekamp, Heinrich Dröper-Oesede Nr. 12,
Dröper
Betrieb zur Zeit eingestellt Mitglied der Interessengemeinschaft
Nienker, Heinrich Hankenberge Nr. 58,
Hankenberge
Betrieb am 20.03.1948 eingestellt -
nun wieder Bergmann in der Zeche "Kronprinz"
ausgetreten
Sprengelmeyer, Friedrich Iburg [nachträglich eingetreten / Austritt: 31.07.1949] ausgetreten
Winter, Eberhard Im Brooke 12,
Oesede
Betrieb eingestellt am 20.02.1948 ausgetreten
Wulkotte, Gerhard Kloster-Oesede [nachträglich eingetreten / Austritt: 31.07.1949] ausgetreten
Wunsch, Heinz Kloster-Oesede [nachträglich eingetreten / Austritt: 31.07.1949] ausgetreten

Die Belegschaft betrug bei Gründung aus insgesamt 20 Personen einschließlich 1 Aufsichtsperson.
Gemeinsam tätig wurde die Interessengemeinschaft bei Behördengängen und dergleichen.

Am 27.02.1948 kam es zu einer Vorlage im Kreistag zwecks Beteiligung des Kreises an der Interessengemeinschaft, doch lehnte dieser eine Beteiligung ab.

Am 15. Mai 1950 wurde der Betrieb auf Grund des allgemeinen Absatzmangels eingestellt.

 

Notbergbau am Limberg (Oberlimberg)

Nach monatelangem wildem Bergbau schlossen sich folgende Personen am 10.11.1947 zur Gesellschaft "Limberg (Oberlimberg)" zusammen:

Name: Ort:
Berner, Theodor Kloster Oesede
Hillebrenner, Johann u. Dieckmann Kloster Oesede
Horstmann Kloster Oesede
Huning, Heinrich Kloster Oesede
Nienker, Heinrich Hankenberge
Rakenklare Kloster Oesede

 

Interessengemeinschaft Klekamp - Wulkotte

Einen Notbergbau in der Gemarkung Kloster-Oesede, Flur 13 ("In der Fährenmark"), Parzelle 34 - 37, unmittelbar nördlich des Kammweges auf dem Limberg ("Grüner Weg"), betrieb kurzzeitig auch die "Interessengemeinschaft Klekamp - Wulkotte" von Heinrich Klekamp (wohnhaft: Borgloher Straße 92 in Oesede-Dröper) und Gerhard Wulkotte aus Oesede.
Grundstückseigentümer waren: Sattlermeister Franz Kemper, Oesede (Parzelle 34), Johann Heinrich Winter, Oesede-Dröper (Parzelle 35), Landwirt Franz Hüsing, Kloster-Oesede (Parzelle 36) und Landwirt Bernhard Heringhaus, Glane-Visbeck (Parzelle 37).
Zur Klärung der Flözverhältnisse wurde in Parzelle 34 und 37 ein Versuchsschacht bis 20 m Teufe niedergebracht. Bei einer saigeren Teufe von 12 m wurde in beiden Versuchsschächten Flöz III angefahren (Mächtigkeit: 0,40 m, Einfallen: 90°). Der Querschnitt der Versuchsschächte betrug 2,0 m lichte Weite und 0,80 m lichte Höhe.
Zwischen diesen beiden Versuchsschächten wurde dann auf Parzelle 36 ein Förderschacht angelegt. Es waren vier Personen in diesem Bergbau beschäftigt.

In einem Schreiben der Klöckner-Werke AG Piesberg wurde Herrn Klekamp 1948 mitgeteilt, er dürfe die Kohle bis max. 5 m von der Grundstücksgrenze bis zu einer Teufe von höchstens 20 m abbauen.

Kleinzeche Klekamp - Wulkotte um 1947 (v.l.n.r.: Klekamp, NN, Wulkotte)
Foto: Sammlung Werner Beermann, Georgsmarienhütte

Eine kurze schriftliche Zusammenfassung bietet das "Iburger Heft 3" mit dem Titel "Kohlenbergbau im Feld "Hilterberg" bei Bad Iburg im Teutoburger Wald" von Horst Grebing, herausgegeben 2003 vom Verein für Orts- und Heimatkunde Bad Iburg e.V.!
Einen Einblick bietet auch der - nicht ausgeschilderte - "Bergbau-Rundweg Hilterberg/Wellendorf", der im Heimat-Jahrbuch "Osnabrücker Land 1991", S. 176 ff., von mir veröffentlicht wurde.

Eine Wanderung zu den Relikten der "Zeche Hilterberg" finden Sie auch hier!

 


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